Shop des Monats: Fräulein Heiligenscheiss

Shop des Monats: Fräulein Heiligenscheiss

Fluchen und Fleiß, das ist das Erfolgsrezept von Nadine aka „Fräulein Heiligenscheiss“. Vom Vollzeitjob gelangweilt und genervt, schmeißt sie hin und startet mit Spreadshop durch. Mit harten Sprüchen und hübschen Designs verdient sie jetzt ihren Lebensunterhalt.

Kannst Du etwas zu Deinem Background erzählen?

Ich habe lange Vollzeit gearbeitet und nebenbei Grafikdesign studiert. In meinem Job habe ich mich unglaublich gelangweilt und mein Studium nach zwei Jahren auch schon wieder abgebrochen, weil die Kombination aus Job und Studium einfach zu stressig war. Mit dem Job war ich aber weiterhin unzufrieden, so dass ich recht spontan gekündigt habe und dann habe ich das Projekt Selbstständigkeit in Angriff genommen. Ich habe für mich festgestellt, dass ich nach meinem Rhythmus und zu Hause arbeiten will. Ich hatte keine Lust jeden Tag eine dreiviertel Stunde mit der Bahn hin- und herzufahren. Da bin ich schließlich auf das T-Shirt-Business gestoßen und habe mir gedacht, ‚Hey das könnte mir Spaß machen, weil ich diese Grafikdesign-Affinität habe.‘

Wie bist Du dann bei Spreadshirt gelandet?

Spreadshirt kannte ich schon immer. Ich wohne in Leipzig genau gegenüber vom Unternehmen. Aber ich hatte nie auf dem Schirm, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Soweit habe ich nicht gedacht. Dass man sich da seine eigenen T-Shirts drucken kann, das wusste ich schon und hatte ich vor Jahren auch gemacht. Das war ein typischer Junggesellinnen-Abschied. Dass man damit professionell Geld verdienen kann, kam mir einfach nicht in den Sinn.

Dann hatte ich aber die Idee mit den Tassen. Ich habe damals als als virtuelle Assistentin gearbeitet und saß oft da und dachte: ‚Das gibt es nicht, ich hasse Menschen, das kotzt mich alles so an.‘

Mit Freunden habe ich rumgesponnen, man müsste mal Tassen fürs Büro machen, wo genau das draufsteht. Die kannst Du in solchen Situationen dann immer in der Hand halten. Aber sie sollte auch schön sein. Da bin ich auf die Idee mit den Blumen gekommen: Also diesen Kontrast zwischen dem harten Spruch und dem Rahmen aus Blumen. So dass im ersten Moment gar nicht auffällt, was da draufsteht.

Wie hat Deine Arbeit auf den sozialen Medien wie Facebook und Instagram angefangen?

Ich habe damals mit der „Arsch Arsch Pimmel“ Tasse angefangen. Ich wollte erstmal nur ausprobieren, ob das überhaupt irgendwen interessiert. Dafür habe ich einen Shop eröffnet und eine Facebook-Seite angelegt.

Es gab also zuerst den Spreadshop und dann eine Facebook Seite?

Genau. Ansonsten hätte ich nicht gewusst, wie ich Leute auf meinen Shop aufmerksam machen soll. Dann habe ich mir passenden Content zu den Designs überlegt und auf Facebook gepostet: lustige Sprüche, Witze und anfangs auch Links zu anderen Seiten oder Blog. So habe ich versucht Reichweite aufzubauen. Und dann habe ich Werbung geschaltet. Meine Zielgruppe sind Frauen, zu etwa 97 Prozent. Frauen, die im Büro arbeiten, die auf Ironie, Sarkasmus, schwarzen Humor stehen. Die habe ich gezielt angesprochen und innerhalb von ca. 4 Wochen hatte ich 2000-3000 Follower auf Facebook. Das war schon ‚superkrass‘.

Das heißt, Du hast gleich von Anfang an Werbung geschaltet?

Natürlich habe ich zuerst meine Freunde zum ‚liken‘ eingeladen. Aber ich habe ziemlich zeitig angefangen die Motive zu bewerben. Das hat super funktioniert. Ich habe die Facebook Seite im Januar 2018 erstellt. Innerhalb von weniger als einem Jahr sind es mehr als 25.000 Follower. Das ist schon ordentlich.

Wie ist Deine Followerzahl gewachsen? War das stetig? Oder gab es da immer mal wieder Beiträge, die einen plötzlichen Anschub verursacht haben oder viral gegangen sind?

Das sind Wellen. Runter geht es nicht, aber in Wellen nach oben. Die erste große Welle kam, als ich meine „Ficken Sie sich“ Tasse online gestellt habe. Da hatte ich innerhalb einer Woche 2000-3000 neue Leute – und das hat sich selbstverständlich auch bei den Umsätzen bemerkbar gemacht. Die richtig große Sache kam im September: Eine Kundin hatte mir ein Foto geschickt, die fünf Tassen von mir bestellt hatte. Die hat sie übereinandergestellt und ein Foto davon gemacht. Da habe ich sie gefragt, ob ich das benutzen kann – das ist viral durch die Decke gegangen. Den Beitrag haben 500.000 Leute gesehen. Und das konnte ich dann auch am Umsatz sehen. Am nächsten Tag habe ich in die Statistik geschaut und konnte gar nicht glauben, was ich da sehe.

Wo findest Du Inspiration für Deine Sprüche?

Wenn ich mich mit Freunden unterhalte, wenn ich abends ein Bier trinken gehe und die Leute anfangen sich über irgendwas aufzuregen. Oft nehme ich dann mein Telefon raus und schreibe auf, was eben Lustiges gesagt wurde.

Erst habe ich nur die Tassen gehabt und dachte Kunden, die weitere Produkte haben wollen, erstellen sich diese selbst mit der Personalisieren-Funktion. Aber der Menschen ist halt faul, das macht fast keiner. Seitdem ich auch andere Produkte im Shop anbiete, werden sie auch gekauft. Aber es gibt auch Produkte, die gehen gar nicht. Die schaue ich mir genau an und überarbeite meinen Shop entsprechend.

Das heißt Du kuratierst Deinen Shop so, dass er immer aktuell bleibt.

Ja, ich schaue mir jeden Monat die Verkaufsstatistik an und jeden Monat nehme ich Produkte aus meinem Shop und achte darauf, dass neue Produkte hinzukommen. Gerade am Anfang waren einige Designs echt nicht schön – die sind später rausgeflogen. Ich achte sehr darauf, dass mein Shop im Ganzen ein schönes Bild abgibt.

Arbeitest Du auch saisonal? Jetzt haben wir gerade Herbst – änderst Du da Deine Designs indem Du zum Beispiel eher herbstliche Blumen nutzt?

Das nicht, aber es wird besondere Halloween- und Weihnachts-Designs geben. Da freue ich mich schon richtig drauf. Das wird total cool. Die sind auch schon vorbereitet, sodass ich im November direkt starten kann.

Wie sieht Dein Designprozess aus: von der Idee bis zum Upload im Partnerbereich?

Ich arbeite digital und ausschließlich mit Adobe Illustrator. Mittlerweile habe ich ein ganz gutes Gefühl dafür, wie ein Blumenmotiv aufgebaut sein muss, damit es gut geht.

Als Du damals mit Deinem Shop gestartet bist, hast Du Dir da auch selbst Produkte bestellt um zu schauen, wie Deine Produkte in echt aussehen?

Ganz am Anfang bin ich auf zwei Plattformen gestartet und ich habe mir bei beiden etwas bestellt. Bei der anderen Plattform war die Qualität so schrecklich, da habe ich alle Produkte wieder runtergenommen. Ich dachte mir nur: ‚Ich würde mich als Kunde ärgern, wenn ich das so bekommen würde.‘ Da muss ich schon sagen, dass bei Spreadshirt die Lieferzeiten und die Qualität immer super waren.

Wieviel Zeit verbringst Du wöchentlich mit Deinem Shop?

Das sag ich nicht (lacht).

Mittlerweile ist es ja Dein Vollzeit-Job?

Ja. Seit September habe ich eine virtuelle Assistentin, die mich bei den Aktivitäten auf Facebook unterstützt. Aber Social Media kennt keine Pausen, man muss permanent online sein und auf das Feedback reagieren. Deswegen habe ich jemanden eingestellt, der sich darauf konzentriert und ich kann mich auf meine Designs konzentrieren.

Wie oft postest Du bzw. Deine virtuelle Assistentin auf den sozialen Medien?

Jeden Tag einmal. Auf Facebook funktioniert Mittag am besten. Da haben die Leute im Büro ihre Mittagspause und ein bisschen Zeit. Da ist das Meiste los. Oder morgens gegen 8 Uhr, wenn sie auf Arbeit fahren. Instagram geht abends am besten, wenn die Leute zuhause sitzen. Das habe ich über die Facebook und Instagram Statistiken herausgefunden.

Vielen Dank liebe Bianca, dass du einfach mal das komplette Sortiment gekauft hast!😘 😘 😘Das ist echt der Hammer! ❤️#fräuleinheiligenscheiss👉 http://bit.ly/fraeuleinhs 👈

Posted by Fräulein Heiligenscheiss on Tuesday, August 28, 2018

Das heißt Du arbeitest viel mit den Analysen, die Dir bereitgestellt werden oder ist das eher Gefühlssache?

Teils-teils. Die Analysedaten sind natürlich super praktisch, wenn es um die Online-Zeiten geht. Aber auch, wenn man mehr über seine Zielgruppe herausfinden will. Meine Zielgruppe hat sich seit Anfang aber nicht groß verändert. Das sind immer noch Frauen zwischen 24 und 35.

Du bewirbst Deine Produkte ja auf Facebook und Instagram. Gehst Du strategisch an Dein Marketing?

Mit dem Facebook Manager mache ich Werbung für Facebook und Instagram. Ich bewerbe also beide Plattformen. Bei Facebook habe ich mit ca. 25.000 Followern bereits eine große Reichweite. Auf dieser Basis kann ich mir von Facebook ein „Custom Audience“ erstellen lassen und daraus wiederum ein „Lookalike Audiences“. Zusätzlich zu meinen Followern sagt mir Facebook also, wer so ähnlich tickt und die dieselben Sachen mag. Die kann ich dann speziell bewerben.

Wie gehst Du mit den Shop Promotionen um und wie lange planst Du die im Voraus und wo bewirbst Du sie?

Der Plan mit den Promotions steht ja im Partnerbereich, ich kenne also alle Promos bis zum Ende des Jahres. Auf dieser Basis plane ich meine Aktionen und bereite entsprechende Postings vor. Zusätzlich schalte ich etwas mehr Werbung. Denn es ist schon so, dass sich die Leute bei guten Promos eher zum Kauf entscheiden. Außerdem kann ich konkret Leute bewerben, die schon mal etwas in den Warenkorb gelegt haben, aber dann doch nichts bestellt haben. Die kann ich mit einem kostenlosen Versand sehr gut abholen.

Widerspiegeln sich die Promos dann auch in Deinen Verkäufen? Funktionieren die gut?

Kostenloser Versand ist okay. Noch besser sind aber die Aktionscode: Bei der 20% Rabatt Aktion hatte ich in den zwei Tagen den vierfachen Umsatz gemacht.

Was ist Deine Vision für „Fräulein Heiligenscheiss“ und wie geht es in Zukunft mit der Marke weiter.

Auf jeden Fall wollen wir weiterwachsen. Die Community soll größer werden. Das ist das Ziel. Und die Produktpalette und die Motive werden immer weiter verbessert und verfeinert. Es wird auf jeden Fall noch mehr von „Fräulein Heiligenscheiss“ geben. Solange wie möglich will ich das machen, bis der Moment kommt und Leute sagen: „wir wollen Deine Sachen nicht mehr sehen“.

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